Badische Zeitung vom Freitag, 18. Oktober 2002

Kappel hat seinen Charme behalten
Sieger beim Kreiswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden"

LENZKIRCH (cmc). Den Titel "Schönste Gemeinde im Hochschwarzwald" teilen sich beim diesjährigen Kreiswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft" erstmals mit Ballrechten-Dottingen und Lenzkirch-Kappel zwei Gemeinden im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die beiden punktgleichen Orte werden sich daher auch beim nächst höheren Wettbewerb auf Regierungsebene den Bewertungskriterien stellen.

Den zweiten Platz sicherte sich die Gemeinde Oberried, gefolgt von dem drittplatzierten Wittnau. Anerkennung für gute Leistungen erhielten die Gemeinden Bollschweil und die beiden Löffinger Ortsteile Dittishausen und Unadingen.

Er freue sich, in einem der schönsten Dörfer im Kreis zu weilen, verdeutlichte Landrat Jochen Glaeser bei der Preisverleihung am Donnerstagmorgen in der Hochfirsthalle in Kappel. Auf die vielen schönen Dörfer im Kreis könne man stolz sein und auch darüber, dass der Landkreis schon viele Landes- und Bundessieger stellen konnte. Südbaden sei im Gegensatz zum landes- und bundesweiten Durchschnitt eine Wachstumsregion, so dass sich die Gemeinden Gedanken darüber machen müssten, wie mit der Bevölkerungsentwicklung umzugehen sei. Die Bewahrung der Identität des Ortes zum Wohnen und Kraft zu schöpfen heiße auch, neue notwendige Entwicklungen zuzulassen.

Auch der Wettbewerb habe sich weiterentwickelt: Während früher hauptsächlich der Blumenschmuck und die Durchgrünung der Dörfer mit Bäumen, Sträuchern, Rasen und Stauden Beachtung fanden, werde heute das Gewicht auf die kommunalen Aspekte und die Struktur des Dorfes, wie die Daseinsvorsorge, die Ortsentwicklung oder das landschaftsbezogene Bauen gelegt. Die Einbindung in die Natur und die Berücksichtigung der Kulturlandschaft seien wesentliche Kriterien, weshalb auch in den Dörfern Platz für entwicklungsfähige landwirtschaftliche Betriebe sein müsse. Dass eine strukturgerechte und systematische Entwicklung nur mit und nicht gegen die Bürger betrieben werden könne, hob Glaeser besonders hervor. Er dankte daher den Vereinen, Bürgerinitiativen, Gemeinden und Gemeindevertretern für die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt als wichtigste Voraussetzung.

Seinen Dank richtete er auch an die achtköpfige Bewertungskommission unter Leitung von Andreas Schneider-Marfels, die die schwierige Aufgabe hatte, die einzelnen Orte untereinander zu vergleichen. Jeder Ort habe andere Voraussetzungen und andere "Spezialitäten", deren Gewichtung nicht einfach sei, bestätigte auch Schneider-Marfels. Ballrechten-Dottingen als eine der beiden Siegergemeinden habe es in den vergangenen Jahren geschafft, seine ausgeglichene Struktur aus Wohnstandort, Industrie und Gewerbe sowie mit dem traditionellen Weinbau zu bewahren. Seine Zukunftsfähigkeit beweise die 2200-Einwohner-Gemeinde bei der städtebaulichen Integration der beiden Teilorte, bei der Verkehrsanbindung und dem Ausbau der sozialen Infrastruktur auf der Kommunalen Agenda. Das hohe bürgerschaftliche Engagement, die Umsetzung der Bauleitplanung, eine ausgewogene Bauflächensteuerung und ein gutes Dorfentwicklungskonzept brachten neben der ausreichenden Grundversorgung und der Bewahrung alter Bausubstanzen und Kleindenkmale etliche Pluspunkte. Positiv wird das soziale und kulturelle Leben hervorgehoben.

Besonderer Charme

Lenzkirch-Kappel verdient seinen ersten Platz seinem besonderen Charme als liebliche Schwarzwaldgemeinde, die trotz Bevölkerungszuwachs und Funktionswandel zum Wohnstandort das Gesicht des traditionellen in die Landschaft eingebetteten Schwarzwalddorfes bewahrte. Die Verwendung heimischer Baustoffe im Neubaubereich, das touristische Angebot oder das rege Vereinsleben sind nur einige markante Punkte, die von der Jury gewürdigt wurden. Die Gemeinde Oberried, die von der Kommission mit dem zweiten Platz bedacht wurde, punktete mit der gelungenen Sanierung und Neugestaltung des gesamten Bereichs um die Klosteranlage und Rathaus, die trotz schwieriger Besitzstruktur eine einheitliche Gesamtkonzeption erfuhr. Gut erhaltene Bauernhöfe, Berghütten und die gelungene Renovierung der alten Mühle beim Vogtsbauernhof wurde neben einer umweltverträglichen, gemeinschaftlichen Energieversorgung durch Wasserkraftwerke, Holzhackschnitzelverfeuerung, Fernwärmenetz und gemeinschaftliche Biogasanlage hervorgehoben.